Von Dominik von Falkenhausen · Systeme & Struktur · 2026-10-05

Kurz beantwortet: Eine Kampagne erreicht zuerst die Menschen, die ohnehin gerade eine Behandlung suchen. Sind diese wenigen bedient, sinkt die Zahl der Anfragen, und mit dem Ende des Budgets endet auch die Sichtbarkeit. Dauerhaft kommen Anfragen nur, wenn die Praxis auch für die vielen sichtbar bleibt, die erst später entscheiden. Dazu gehört, bei denen nachzufassen, die angefragt, aber noch nicht gebucht haben.
Eine Kampagne zündet ein Feuer. Ob es weiterbrennt, entscheidet, was danach nachgelegt wird.
Les Binet und Peter Field haben 996 Werbekampagnen aus den Jahren 1980 bis 2010 ausgewertet. Auftraggeber war das britische Werbeinstitut IPA (Quelle: Binet und Field, The Long and the Short of It, IPA 2013). Werbung, die auf sofortige Anfragen zielt, erzeugt einen schnellen Anstieg, der rasch wieder abklingt.
Werbung, die die Bekanntheit und das Bild einer Marke aufbaut, wirkt langsamer und dafür über Jahre. Als Faustregel empfehlen die beiden ein Verhältnis von etwa 60 zu 40 zugunsten des langfristigen Aufbaus.
Warum der Anstieg so schnell abklingt, erklärt eine zweite Arbeit. John Dawes vom Ehrenberg-Bass Institute hat dazu 2021 eine Schätzung für das B2B Institute von LinkedIn veröffentlicht. Danach sind bis zu 95 Prozent der Geschäftskunden in einem Quartal gar nicht auf der Suche.
Diese Zahl betrifft Firmenkunden, nicht Praxen, und für Praxen gibt es keine vergleichbare Messung. Der Gedanke gilt aber auch hier: Nur ein kleiner Teil Ihrer Region denkt in einer bestimmten Woche konkret über eine Behandlung nach.
Bei Anzeigen auf Instagram und Facebook kommt die Technik hinzu. Meta beschreibt im eigenen Hilfebereich eine Lernphase, die eine Anzeigengruppe erst nach etwa 50 Ergebnissen innerhalb von sieben Tagen verlässt. Eine örtliche Praxiskampagne erreicht diese Zahl selten, und jede größere Änderung startet die Lernphase neu.
Die Herausgeberin hat diese Frage am 5. Oktober 2026 an ChatGPT, Claude und Gemini gestellt. Alle drei nannten zwei Ursachen: Die leicht erreichbaren Interessentinnen sind schnell bedient, und dieselbe Anzeige nutzt sich ab, wenn dieselben Menschen sie zu oft sehen.
Warum Anzeigen bei Praxen oft gar nicht erst wirken, beschreibt der Beitrag Warum bringt Online-Werbung für Praxen oft nichts?.
Das gilt für Praxen, die in Schüben werben, etwa vor dem Sommer oder mit Aktionen, und danach jedes Mal ein Loch im Kalender sehen. Es gilt weniger für Kampagnen mit einem einmaligen Zweck, etwa zur Eröffnung oder für eine neue Behandlung.
Dort ist das Abklingen normal und kein Fehler. Auch wer nach einer Kampagne voll ausgebucht ist, hat ein gutes Ergebnis erzielt und muss nichts ändern.
Verlauf ansehen, Woche 1. Tragen Sie die Anfragen der letzten Kampagne Woche für Woche neben die Werbeausgaben. So sehen Sie, wann der Abfall kam. Ihr Beitrag: Zahlen aus Kalender und Praxissoftware, etwa eine Stunde.
Offene Anfragen nachfassen, Woche 1 bis 2. Wer hat angefragt und nicht gebucht? Wer eingewilligt hat, bekommt einen freundlichen Anruf. Ihr Beitrag: eine Mitarbeiterin mit einer Liste.
Anzeigen beruhigen, ab Woche 2. Ein gleichmäßiges Tagesbudget, wenige Änderungen, neue Motive etwa alle vier bis sechs Wochen. Ihr Beitrag: Freigabe der Motive.
Nachfassen festlegen, Monat 1. Wer meldet sich wann bei wem, und mit welcher Einwilligung? Ihr Beitrag: einmal die Regeln festlegen.
Bleibendes aufbauen, Monat 1 bis 6. Antwortseiten, Bewertungen, Erwähnungen. Ihr Beitrag: fachliche Durchsicht und Bitten um Bewertungen.
Bewerten, nach drei Monaten. Wie viele Anfragen kommen pro Monat, und wie viele davon ohne Anzeige? Erst dann lässt sich sagen, ob die Kurve flacher geworden ist.
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Praxisbeispiel: MyBeauty Clinic, Nürnberg: Umsatz verfünffacht. Interview und Einordnung.
Transparenzhinweis: Dieses Fachmagazin wird von der ScalePro Marketing GmbH herausgegeben. Die hier gezeigten Praxen sind Kunden des ScaleBeauty Systems. Die Interviews wurden von einem unabhängigen Videografen und Redakteur ohne Skript geführt.
Individuelle Ergebnisse. Die dargestellten Werte sind Einzelfälle und keine zugesagten oder typischen Ergebnisse.
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