Von Dominik von Falkenhausen · Systeme & Struktur · 2026-01-16

Kurz beantwortet: Ja, als Entwurf. Medizinische Aussagen, HWG-Konformität und Praxis-Sprache müssen fachlich geprüft werden – unbearbeitete KI-Texte sind ein Haftungs- und Qualitätsrisiko.
Ja, als Entwurf. Verantwortlich bleiben Sie: Fachliche Richtigkeit und rechtliche Aussagen muss ein Mensch prüfen.
Künstliche Intelligenz ist im Praxisalltag angekommen. Viele Praxen nutzen ChatGPT, um Texte schneller zu erstellen – für die Website, für Social Media oder für Patienteninformationen. Der Reiz liegt auf der Hand: Zeitersparnis, Struktur, sofort verfügbare Formulierungen. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit, ob diese Texte wirklich passend, rechtssicher und wirksam sind.
Die Antwort ist nicht eindeutig. Texte mit ChatGPT zu schreiben ist weder grundsätzlich sinnvoll noch grundsätzlich riskant. Entscheidend ist wofür, wie und auf welcher Grundlage das Tool eingesetzt wird.
ChatGPT ist ein Sprachmodell. Es produziert Texte auf Basis vorhandener Muster. Es versteht keine Praxis, keine Patienten und keine rechtlichen Nuancen. Ohne klare Vorgaben entstehen Texte, die formal korrekt wirken, aber inhaltlich austauschbar sind.
Das größte Risiko liegt deshalb nicht in der Technik, sondern in der fehlenden Grundlage. Wenn Positionierung, Praxis-Identität, Kundenavatar und Anbieteravatar nicht klar definiert sind, kann ChatGPT diese Lücke nicht schließen. Es füllt sie mit Durchschnitt.
Ohne klare Leitplanken erzeugt ChatGPT generische Sprache. Begriffe werden gemischt, Tonalitäten wechseln, Aussagen bleiben vage. Für Menschen wirkt das oft nur 'okay'. Für Suchmaschinen und KI-Systeme ist es ein Zeichen fehlender Klarheit.
Sinnvoll ist der Einsatz von ChatGPT dort, wo Struktur benötigt wird. Zum Beispiel: als Rohfassung für erklärende Inhalte, zur Gliederung komplexer Themen, zur sprachlichen Vereinheitlichung vorhandener Gedanken, als Unterstützung bei der Ausformulierung klarer Aussagen.
In diesen Fällen ersetzt ChatGPT nicht das Denken, sondern beschleunigt die Umsetzung.
Riskant wird der Einsatz dort, wo Verantwortung abgegeben wird. Wenn Texte ungeprüft übernommen werden. Wenn rechtliche Rahmenbedingungen nicht berücksichtigt werden. Oder wenn medizinische Themen ohne fachliche Kontrolle formuliert werden.
Gerade im Patientenkontext ist Vorsicht geboten. ChatGPT kann keine medizinische Beratung leisten. Es darf nicht suggeriert werden, dass KI-generierte Texte individuelle Empfehlungen ersetzen. Sachliche Information und Einordnung sind möglich, individuelle Beratung nicht.
Auch im Marketing ist Zurückhaltung wichtig. ChatGPT neigt dazu, Aussagen zu verstärken, zu verallgemeinern oder zu emotionalisieren. Ohne klare Vorgaben entstehen schnell Formulierungen, die rechtlich problematisch sein können, insbesondere im regulierten medizinischen Umfeld.
Hier wird Positionierung entscheidend. Wenn klar ist, wie eine Praxis spricht und wofür sie steht, kann ChatGPT diese Sprache nachbilden. Ohne Positionierung produziert es Durchschnittssprache. Das schwächt Wahrnehmung und Sichtbarkeit.
Die Praxis-Identität ist ebenfalls zentral. Identität bestimmt Tonalität und Haltung. ChatGPT kann diese Haltung nur dann abbilden, wenn sie explizit vorgegeben ist. Andernfalls entstehen Texte, die nicht zur gelebten Praxis passen.
Der Kundenavatar hilft dabei, Texte relevant zu machen. ChatGPT weiß nicht, in welcher Entscheidungsphase sich Patienten befinden. Diese Einordnung muss vorgegeben werden. Erst dann können Texte entstehen, die informieren, statt zu überfordern.
Der Anbieteravatar legt fest, welche Rolle die Praxis in der Kommunikation einnimmt. Erklärend, führend oder begleitend. ChatGPT kann diese Rolle übernehmen, wenn sie klar definiert ist. Ohne diese Definition wechselt die Rolle unbewusst.
Ein weiterer Aspekt ist die Konsistenz. Wenn ChatGPT für verschiedene Kanäle ohne zentrale Leitplanken genutzt wird, entsteht sprachliche Uneinheitlichkeit. Das wirkt sich negativ auf Vertrauen und Sichtbarkeit aus. KI erkennt diese Inkonsistenz schneller als Menschen.
ChatGPT ist daher kein Ersatz für Marketingstrategie. Es ist ein Werkzeug. Richtig eingesetzt, spart es Zeit und hilft bei der Umsetzung. Falsch eingesetzt, verstärkt es bestehende Unklarheit.
Die entscheidende Frage lautet nicht: Sollte man ChatGPT nutzen? Sondern: Ist die Grundlage klar genug, um es sinnvoll einzusetzen?
Wer diese Frage ehrlich beantwortet, kann ChatGPT sicher nutzen – als Unterstützung, nicht als Autor.
Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Er dient ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Für medizinische, rechtliche oder individuelle Entscheidungen wenden Sie sich bitte an qualifizierte Fachpersonen.
Eine Physiotherapiepraxis in Nürnberg nutzte ChatGPT, um monatlich rund acht Social-Media-Beiträge zu erstellen, ohne die Texte vor Veröffentlichung fachlich oder rechtlich zu prüfen. Nach sechs Wochen erhielt die Praxis eine Abmahnung wegen einer unzulässigen Wirkaussage, die im generierten Text unbemerkt geblieben war, mit Kosten von etwa 850 Euro.
Nach diesem Vorfall führte die Praxis einen zweistufigen Prozess ein: KI-generierte Texte wurden weiterhin genutzt, aber vor Veröffentlichung von einer festgelegten Person auf fachliche und rechtliche Richtigkeit geprüft. Der Zeitaufwand pro Beitrag stieg von fünf auf fünfzehn Minuten, blieb aber deutlich unter dem Aufwand einer komplett manuellen Texterstellung.
Der erste Fehler ist, generierte Texte ungeprüft zu veröffentlichen. KI-Modelle kennen das Heilmittelwerbegesetz nicht zuverlässig und produzieren gelegentlich unzulässige Formulierungen. Der zweite Fehler ist, komplett auf KI zu verzichten, aus pauschaler Sorge vor rechtlichen Risiken, wodurch wertvolle Zeitersparnis ungenutzt bleibt.
Der dritte Fehler ist, KI-Texte ohne Anpassung an die eigene Praxis-Identität zu verwenden. Generische Formulierungen wirken austauschbar und schwächen die Wiedererkennbarkeit der Praxis, selbst wenn sie inhaltlich korrekt sind.
Ein positives Signal ist, wenn sich die Zeit für Texterstellung innerhalb weniger Wochen spürbar reduziert, ohne dass die Zahl rechtlicher oder fachlicher Beanstandungen steigt. Wenn nach acht bis zehn Wochen weiterhin regelmäßig veröffentlicht wird und keine Korrekturen von Patientenseite nötig waren, funktioniert der Prozess.
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