Von Dominik von Falkenhausen · Website & Conversion · 2026-02-14

Kurz beantwortet: Nicht durch Übersetzung, sondern durch Lokalisierung: eigene Suchbegriffe pro Sprachregion, eigene URLs mit hreflang und selbstreferenzierendem Canonical. Sinnvoll ist Mehrsprachigkeit nur bei realem Einzugsgebiet.
Eine übersetzte Website ist noch keine neue Region. Menschen suchen mit ihren eigenen Wörtern. Wenn diese Wörter nicht auf Ihrer Seite stehen, findet niemand sie.
Viele Schweizer Praxen lösen Mehrsprachigkeit mit einem Sprachumschalter und einer maschinellen Übersetzung. Technisch ist die Website danach dreisprachig. Wirtschaftlich ändert sich meist nichts. Der Grund: Eine Übersetzung erschließt keine Sprachregion, weil sie weder die Suchbegriffe noch die Entscheidungslogik dieser Region trifft.
Die Deutschschweiz, die Romandie und das Tessin sind unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichem Wettbewerb, unterschiedlichen Preiserwartungen und unterschiedlicher Kommunikationskultur. Genf orientiert sich stärker an Frankreich, Lugano an Italien, Zürich an der Deutschschweiz. Eine Praxis, die alle drei bedienen will, braucht drei eigenständige Inhaltsstränge – nicht drei Sprachversionen desselben Textes.
Patienten in der Romandie suchen nicht die Übersetzung des deutschen Begriffs, sondern den französischen Begriff, der dort verwendet wird. Eine wörtliche Übersetzung trifft diesen Begriff oft nicht. Damit rankt die Seite für nichts – sie existiert, aber sie wird nicht gefunden. Der Aufwand für Übersetzung war dann komplett unproduktiv.
Jede Sprachversion braucht eine eigene, dauerhafte URL. Sprachwechsel per JavaScript ohne eigene Adresse ist für Suchmaschinen unsichtbar. Dazu gehören korrekte hreflang-Angaben zwischen den Versionen, ein eigener Titel und eine eigene Beschreibung pro Sprache und ein Canonical, der auf die jeweilige Sprachseite zeigt – nicht auf die deutsche Startseite. Das ist der häufigste technische Fehler und er entwertet die gesamte Übersetzung.
Nicht immer. Eine Praxis in Zürich mit rein deutschsprachigem Einzugsgebiet gewinnt durch eine französische Version wenig. Sinnvoll wird Mehrsprachigkeit, wenn es ein reales Einzugsgebiet gibt: eine Praxis in Biel, Freiburg oder Wallis, eine Klinik mit internationalen Patienten, oder eine Positionierung, die bewusst überregional angelegt ist. Englisch ist in Zürich, Zug und Genf oft wertvoller als Französisch – wegen der internationalen Wohnbevölkerung.
Erst eine Sprache vollständig und exzellent. Dann die zweite Sprache – aber nur für die Seiten, die wirklich Anfragen erzeugen: die Kernleistungen, die Kontaktseite, die wichtigsten Erklärseiten. Ein kleiner, sauber lokalisierter Bereich schlägt eine vollständig übersetzte Website, die in keiner Sprache überzeugt.
Denkbar ist eine Klinik in Zürich, die ihre Website mit einem automatischen Übersetzungs-Plugin ins Französische übertrug. Die französische Version wurde kaum gefunden, weil sie wörtlich übersetzte Begriffe verwendete, die in der Romandie so nicht gesucht werden. Nach einer eigenständigen französischen Version mit eigener URL, eigenen Suchbegriffen und korrekten hreflang-Angaben stieg die Sichtbarkeit in Genf innerhalb weniger Monate deutlich.
Erster Fehler: Eine maschinelle Übersetzung wird als vollwertige Sprachversion behandelt. Besser ist eine eigenständige Recherche der regionalen Suchbegriffe. Zweiter Fehler: Sprachversionen laufen unter derselben URL mit JavaScript-Umschalter. Besser ist eine eigene, dauerhafte URL pro Sprache. Dritter Fehler: Der Canonical zeigt auf die deutsche Startseite. Besser ist, jede Sprachseite auf sich selbst zu verweisen. Vierter Fehler: Alle Seiten werden gleichzeitig übersetzt. Besser ist, zuerst nur die anfragenrelevanten Seiten zu lokalisieren.
Ein Anhaltspunkt ist, dass die fremdsprachige Version in den Suchergebnissen der jeweiligen Region tatsächlich erscheint, nicht nur technisch existiert. Ein zweiter Anhaltspunkt sind Anfragen, die in der jeweiligen Sprache eingehen. Ein dritter Anhaltspunkt ist eine sinnvolle Verweildauer auf den übersetzten Seiten statt eines sofortigen Absprungs.
Eine sauber lokalisierte zweite Sprachversion für die wichtigsten Seiten liegt meist bei CHF 2000 bis CHF 6000, abhängig vom Umfang. Bis sich Sichtbarkeit in der neuen Sprachregion aufbaut, vergehen üblicherweise vier bis acht Monate.
Mehrsprachigkeit ist eine Marktentscheidung, keine Übersetzungsaufgabe. Wer sie so behandelt, spart Geld und gewinnt Patienten.
Eine Praxis in Freiburg im Üechtland, an der Sprachgrenze zwischen Deutsch- und Westschweiz gelegen, hatte ihre Website vor einiger Zeit mit einem Sprachumschalter versehen und die deutschen Texte maschinell ins Französische übersetzt. Die Anfragen aus der französischsprachigen Bevölkerung blieben trotzdem aus, obwohl diese über die Hälfte des lokalen Einzugsgebiets ausmacht. Nach einer Analyse zeigte sich, dass die übersetzten Texte holprig wirkten und wichtige lokale Begriffe fehlten.
Nachdem die Praxis eigene, von einer französischsprachigen Fachperson verfasste Inhalte für die Westschweizer Zielgruppe erstellen ließ, stiegen die Anfragen aus diesem Sprachraum innerhalb von zwölf Wochen von zwei auf neun pro Monat. Die Investition für die eigenständige Inhaltserstellung lag bei etwa 4'500 Franken, verteilt auf drei Monate. Entscheidend war, dass nicht nur die Sprache, sondern auch die Ansprache und die Beispiele an die jeweilige Region angepasst wurden.
Der verbreitetste Fehler ist die Annahme, eine automatische Übersetzung reiche aus, um eine zweite Sprachregion zu erschließen. Das führt zu Texten, die fachlich correct, aber sprachlich unnatürlich wirken und bei aufmerksamen Leserinnen und Lesern Zweifel an der Kompetenz der Praxis wecken. Ein zweiter Fehler ist, alle Sprachversionen identisch aufzubauen, obwohl sich Suchverhalten und kulturelle Erwartungen zwischen den Sprachregionen unterscheiden.
Der dritte Fehler betrifft die technische Umsetzung: Wird die zweite Sprache nur als Unterseite ohne eigene Suchmaschinenoptimierung angelegt, findet sie in der jeweiligen Sprachregion praktisch nicht statt. Das kostet Praxen oft Monate, bis der Fehler bemerkt und behoben wird.
Ein verlässliches Signal ist die Verteilung der Anfragen nach Sprache: Steigt der Anteil aus der zuvor vernachlässigten Sprachregion innerhalb von zwei bis drei Monaten spürbar an, funktioniert die Ansprache. Zusätzlich lässt sich in der Suchmaschinen-Statistik prüfen, ob die fremdsprachigen Seiten überhaupt sichtbar werden und Klicks erhalten.
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